Interview zum Thema Fettabsaugung

Dr. med. Harald Kuschnir leitet seit 2000 seine eigene Praxisklinik für ästhetisch-plastische Operationen in München Grünwald und blickt inzwischen auf eine fast 30-jährige Erfahrung in der plastisch-ästhetischen Chirurgie zurück. Für beauty-tipps.net hat er sich für ein ausführliches Interview zur Verfügung gestellt, wir möchten uns dafür ganz herzlich bedanken.

Fettabsaugung

Gibt es verschiedene Methoden der Fettabsaugung?

Ja, es gibt unterschiedliche Methoden. Grundsätzlich bevorzuge ich die so genannte Vibrationstechnik. Alternativ gibt es das Bodyjet®-Verfahren oder aber auch die Ultraschalltechnik. In den Anfangszeiten der Liposuktion wurde diese ausschließlich manuell durchgeführt.

Dabei wurde ohne jegliche technische Unterstützung (z.B. Vibration, Ultraschall) manuell Fett abgesaugt, wie es heute noch häufig in TV-Sendungen gezeigt wird – ein Verfahren, vor dem die Patienten berechtigterweise Angst haben. An erster Stelle der Anwendungen steht heutzutage die Vibrationstechnik.

 Was sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden?

Die manuelle Technik, mit der die Geschichte der Liposuktion begann, ist eher traumatisierend für das Gewebe d.h. es kann zu Verletzungen kommen, Nerven- oder Gefäßstrukturen können zerstört werden. Die Vibrationsmethode ist, meiner Erfahrung nach, der Königsweg, da bei dieser Methode die Gefahr von Verletzungen deutlichst reduziert ist.

Zudem tut sich der Operateur auch leichter in der Handhabung. Die vibrierende Absaugkanüle wird wie ein Geigenbogen mit viel Sensibilität durch das Fettgewebe geführt. Das Bodyjet®-Verfahren kann man mit der Vibrationsmethode vergleichen.

Ist die Tumeszenz-Liposuktion immer noch die am weitesten verbreitete Methode?

Ja.

In welchen Fällen kann eine ambulante Behandlung erfolgen?

Ich persönlich führe sämtliche Liposuktionen ambulant und in örtlicher Betäubung mit der Methode der Tumeszenz-Lokalanästhesie (Lokalanästhetikum wird in das Unterfettgewebe injiziert) durch. Diese Methode hat den Vorteil, dass nahezu alle medizinischen Risiken und die Gefahr von Komplikationen minimiert werden.

In meiner gesamten Laufbahn ist es im Zusammenhang mit einer Fettabsaugung nie zu Komplikationen wie Thrombosen, Embolien, Infektionen oder Nachblutungen gekommen. Dies entspricht dem internationalen Standard.

Entscheidend bei der Tumeszenz-Lokalanästhesie-Methode ist also das deutlich niedrigere medizinische Risiko. Jede Behandlung im Bereich der plastisch-ästhetischen Chirurgie muss unter dem Aspekt „Gesundheit vor Schönheit“ betrachtet werden.

Wo liegen die Grenzen der Fettabsaugung, welche Ziele sind realistisch?

Der Chirurg, der die Fettabsaugung durchführt, ist kein Magier. Die Fettabsaugung ist in erster Linie eine Körperkonturierung, und jeder Körper hat seine eigene Form, die durch Fettansammlungen natürlich auch verändert wird. Chirurgen können da lediglich für eine bessere Körperkontur sorgen, nicht für Gewichtsreduzierung.

Eine Fettabsaugung sollte also nicht als Alibi für diätische Maßlosigkeit oder körperliche Passivität gesehen werden. Dagegen ist eine erfolgreiche Verbesserung der Körperkontur durch eine Fettabsaugung und das damit verbundene neue Lebensgefühl für viele Patienten auch ein Ansporn, ihren gesamten Lebensstil zu verändern, mehr Sport zu treiben und sich bewusster zu ernähren.

Wie viel Fett kann in einer einzigen Sitzung abgesaugt werden?

Ich persönlich sauge maximal 2,5 Liter Fett ab. Wird zuviel Fett absaugt, besteht die Möglichkeit, dass sich die gesamten Stoffwechselfunktionen des Körpers verändern mit der möglichen Folge von z.B.Herz-/Kreislaufstörungen .

Da bei der Tumeszenz-Lokalanästhesie Kochsalzlösung und Betäubungsmittel injiziert werden, sind durch das Körpergewicht des Patienten Grenzen gesetzt. Man sollte da eher zurückhaltend sein und z.B. nicht Bauch, Rücken und Reiterhosen in einer Sitzung absaugen .

An welchen Körperstellen kann eine Fettabsaugung erfolgen?

Das beginnt mit den Oberarmen, geht über den gesamten Rückenbereich, Oberbauch, Unterbauch, Hüfte, Taille, Gesäß, Oberschenkel außen und innen, Kniemodellierung, Wadenbein, bis hin zum Bereich der Fesseln. In diesen genannten Regionen ist die Fettabsaugung grundsätzlich möglich.

Können mehrere Stellen auf einmal abgesaugt werden?

Grundsätzlich ja (s.o.). Allerdings ist die Menge des insgesamt abzusaugenden Körperfetts durch das Körpergewicht des Patienten limitiert, da die Menge des Lokalanästhetikums eine bestimmte Schwelle nicht übersteigen darf.

Sonst kann es zu Herz-Rhythmus-Störungen oder Blutdruckkrisen kommen. Manche Körperareale können, ohne den Patienten medizinisch zu gefährden, in einer Sitzung behandelt werden, bei anderen sind zwei oder mehr Sitzungen erforderlich.

Kann sich das Erscheinungsbild der Cellulite durch die Absaugung verbessern?

Grundsätzlich ja, allerdings kann man das nicht versprechen. In der Kombination mit der Laserlipolyse, die ich ja auch anbiete, sehe ich eine gute Behandlungsoption, mit der positive Ergebnisse bezüglich Cellulite erzielt werden können.

Kann eine Liposuktion bei einem Lipödem sinnvoll sein? Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Liposuktion ist in der Behandlung des Lipödems eine Option. Ein Lipödem betrifft in der Regel die Oberarme, den Rumpf des Körpers und vor allem die unteren Extremitäten. Da sind mit Sicherheit mehrere Sitzungen erforderlich. Inwieweit die gesetzlichen oder privaten Krankenkassen das übernehmen, kann ich so nicht sagen, das bleibt dem Einzelfall überlassen.

Gibt es Altersgrenzen nach unten oder oben?

Der Patient sollte mindestens 18, 20 Jahre alt sein, das ist keine Frage. Eine feststehende Grenze nach oben hin gibt es nicht, das hängt natürlich von dem Gewichtsbefund ab, und je älter ein Patient ist, umso zurückhaltender sollte man sein.

Vorraussetzung für einen guten Heilverlauf mit positivem Ergebnis ist relativ intaktes Bindegewebe. Je älter wir werden, desto schlechter ist allerdings auch die Qualität unseres Bindegewebes. Dies sollte in der Aufklärung Berücksichtigung finden.

Wie lange dauert der Eingriff, was muss man vorher beachten?

Die Voraussetzung für den Eingriff ist natürlich, dass der Patient gesund ist. Außerdem ist ein großes Blutbild sinnvoll gegebenenfalls ein EKG, diese Untersuchungen kann z.B. der Hausarzt durchführen. Zwischen eineinhalb und vier Stunden kann die Fettabsaugung dauern, abhängig von dem Umfang der Liposuktion und der behandelten Areale.

Was passiert nach dem Eingriff mit der überschüssigen Haut?

Bei einer Fettabsaugung entziehen wir der Haut sozusagen die Basis. Eine Fettabsaugung ist eine Verletzung der Gewebsschicht  zwischen Haut und Muskeln. In dieser Ebene kommt es nach dem Eingriff zu einer narbigen Veränderung, es bildet sich Bindegewebe. Narben haben die Tendenz, sich zusammenzuziehen. Diesen Effekt nutzt man aus.

Diese narbigen Bindegewebsveränderungen in der Tiefe führen zu einem Zusammenziehen des Bindegewebes und zu einer gewissen Straffung der Haut (Retraktionsphänomen). Über vier bis sechs Wochen ist das Tragen eines Kompressionsmieders erforderlich.

Hierdurch wird  der oben beschriebene Prozeß ( Retraktion der Haut ) begünstigt. Aber natürlich hängt es auch vom Ausgangsbefund ab, ob tatsächlich überschüssige Haut nach der Fettabsaugung zurückbleibt.

Wenn ein Patient zum Beispiel eine Fettschürze hat, wird  dieses Problem nicht mit einer Fettabsaugung allein nicht zu lösen sein. Dann sind chirurgische Maßnahmen wie eine Bauchdeckenstraffung erforderlich.

Welche Risiken bringt die Liposuktion mit sich?

Bei der Fettabsaugung handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, und dabei sollten die gleichen hygienischen Standards eingehalten werden wie bei jeder anderen Operation. Jede chirurgische Maßnahme beinhaltet Risiken wie Infektionen, Nachblutungen, Thrombosen, Embolien und Fettembolien.

Diese Risiken sind in der Tumeszenz-Lokalanästhesie allerdings ausgesprochen gering. Außerdem muss der Arzt seinem Patienten verdeutlichen, dass ein ästhetisches Ergebnis nicht garantiert werden kann – auch das ist, wenn man so will, ein Risikofaktor.

Welche Beschwerden sind nach der Fettabsaugung zu erwarten?

Da es sich um ein ambulantes Behandlungsverfahren handelt, können die Patienten die Praxisklinik bzw. Klinik kurze Zeit nach dem Eingriff verlassen, sie können und sollen sich bewegen. Eine Aufnahme sämtlicher Aktivitäten (beruflich, privat) ist i.d.R. ein bis zwei Tage postoperativ möglich (Ausnahme: Sport, hier sollte man 14 Tage vergehen lassen).

Postoperative Beschwerden/ Schmerzen sind minimal. Eher klagen die Patienten über ein muskelkaterähnliches Gefühl. In seltenen Fällen kommt es zu länger anhaltenden Blutergüssen oder Gewebsschwellung.

Die Patienten können, ich wiederhole, und sollen sich nach dem Eingriff bewegen. Man ist nach einer Fettabsaugung, und auch das sei noch einmal betont, im Alltagsleben kaum beeinträchtigt.

Was ist nach der Liposuktion zu beachten, damit das Ergebnis optimal wird?

In den ersten zwei, drei Tagen nach der Fettabsaugung darf man noch keine Top-Figur erwarten. Das liegt hautsächlich an zwei Faktoren: Der Flüssigkeit der Tumeszenz-Lokalanästhesie und der operationsbedingten Gewebsschwellung.

Diese Situation besteht einige Tage. Nach etwa vierzehn Tagen ist ein vorläufiges Ergebnis gegeben. Ein Kompressionsmieder muss über vier bis sechs Wochen getragen werden, ansonsten gibt es keine Einschränkungen.

Wann ist das endgültige Resultat der Fettabsaugung erkennbar?

Der gesamte Heilverlauf zieht sich über drei bis sechs Monate hin, da die Wundheilung in der Tiefe des Gewebes eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. In dieser Zeit entwickelt sich das erwähnte narbige Bindegewebe, was positiv bewertet werden muss, da es ja nicht sichtbar ist. Nach spätestens drei Monaten kann man allerdings schon sehen, wie erfolgreich der Eingriff war.

Ist unter Umständen eine Nachbehandlung, also eine zweite Absaugung notwendig?

Das kann durchaus notwendig sein, wenn das Ergebnis für den Patienten realistisch nicht befriedigend ist. Bei stark übergewichtigen Patienten, die natürlich eine größere Fettgewebsmenge haben, sind häufig  zwei oder mehrere Behandlungen erforderlich. Das muss aber im Vorfeld der Behandlung klar mit den Patienten besprochen werden, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Kostenfrage.

Ist das Ergebnis dauerhaft? Was passiert bei erneuter Gewichtszunahme?

Achtet man nach dem Eingriff nicht auf seine Ernährung und ausreichend Bewegung, kann es natürlich auch nach einer Fettabsaugung zu einer Gewichtszunahme und damit zu einer erneuten Fettansammlung kommen.

In vielen Bereichen, die abgesaugt wurden, ist das Ergebnis jedoch dauerhaft, wie z.B. die “Reithosen” , da es sich hierbei nicht um ein diätetisches Phänomen handelt, sondern es ist genetisch bedingt. Im Bereich Ober- oder Unterbauch, Hüfte oder Rücken hingegen, kann es zu einer erneuten Fettansammlung bei diätischer Maßlosigkeit kommen.

Mit welchen Kosten muss ich für eine Liposuktion rechnen?

Die Kosten sind unterschiedlich und abhängig vom Befund sowie von Umfang und Aufwand der Fettabsaugung. In meiner Praxisklinik beginnen die Kosten für eine Liposuktionen bei 3.000 Euro.

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