Dirndl – Nur etwas für Bayern und Fans?

In den deutschen Großstädten wird bei Wörtern wie Trachtenmode oder Dirndl doch eher müde gelächelt. Tatsächlich ist die Tracht ja eigentlich nichts anderes als ein älteres Wort für Kleidung.

Dirndl KleidUnsere Sprache hat sich weiterentwickelt, und solch alte Worte werden hier schnell mal zu Modebegriffen degradiert. Aber ist die Trachtenmode tatsächlich nur in Bayern gebräuchlich, oder genauer gesagt, was ist das eigentlich überhaupt – was macht ein Dirndl zu einem Dirndl?

Bayern – eine missverstandene Kultur

Die Bayern werden außerhalb gerne als leicht snobistisch und arrogant wahrgenommen, prägten sie doch jenseits deutscher Grenzen die Wahrnehmung unseres Volkes am meisten. In Disneyland Orlando Florida kann man in einem Pavillon entdecken, wie sich die US Amerikaner bzw. die Disney Macher die verschiedensten Völker vorstellen.

Die Deutschen werden dort als Bier trinkende, Weißwurst essende Dirndlträger dargestellt. Eigentlich eine sehr lustige Sache, wenn man dann nicht von ungläubig dreinschauenden Amerikanern angestiert würde, denen man eröffnet, man sei Deutscher auch ohne Dirndl oder Lederhosen.

Tatsächlich sieht das Leben in Bayern nicht anders aus als in Berlin oder Hamburg, mit kleinen regionalen Unterschieden natürlich. Und so war das Dirndl vor etwa 200 Jahren auch ganz normale Alltagskleidung für Mägde und Hausdiener.

Für den Alltag trugen die arbeitenden Damen ein normales zweckmäßiges Kleid, welches liebevoll Dirndl genannt wird. Ins Hochdeutsch übersetzt heißt das nichts anderes als „junges Mädchen“.

Über dem Kleid trugen die Damen eine Schürze, an der ein Mann den Partnerschaftsstatus der Dame erkennen konnte. Wurde nämlich die Schleife der Schürze auf der rechten Seite gebunden bedeutete dies, dass die Dame vergeben, verlobt oder gar verheiratet ist, auf der linken Seite logischer Weise das Gegenteil.

Eine sehr schöne Möglichkeit gleich von vornherein zu vermeiden rüde angegangen zu werden, wo es doch eigentlich unangebracht war. Vor etwa 150 Jahren wurden die Damen der oberen Gesellschaftsschicht auf diese Mode aufmerksam und bemerkten eine besondere Kleidsamkeit, die sie so gleich in exklusiven Modellen, angenehmsten Stoffen und buntesten Farben auch für sich umgesetzt haben wollten. So wurde das Dirndl von einem Arbeiterkleid zu einer Modeerscheinung, die sie bis heute auch geblieben ist.

Getreu dem Motto „Alles kommt wieder!“

Wir haben in der Vergangenheit sehen können, dass ältere Modetrends wieder gekommen sind, so z.B. die Schlaghosen, und auch die begehrten Plateauschuhe kamen 2008 wieder in Mode.

Das Dirndl andererseits ist zumindest in Bayern nie aus der Mode gekommen. Die hohen Damen der Gesellschaft tragen ihre durchaus edlen Modelle gern zu entsprechenden Anlässen, und auf dem Oktoberfest sieht man bei den einheimischen Anhängern des weiblichen Geschlechts eigentlich nichts anderes.

Nun ist es, seit dem wir die Jahrtausendwende hatten, immer häufiger dazu gekommen, dass sich auch in- und ausländische Designer mit der Trachtenmode als Ganzes, aber dem Dirndl im Besonderen auseinandersetzen. Eine Berliner Designerin ließ sich gar von der örtlichen Tageszeitung als  Erfinderin des Großstadtdirndls feiern.

Auch die großen Designer der Welt, wie zum Beispiel Karl Lagerfeld oder Wolfgang Joop, versuchen sich an der guten alten Trachtenmode, und wenn die Modegurus unserer Zeit sich der Thematik öffnen können, dann auch alle anderen.

Und wie gehe ich da nun heran?

Für das Oktoberfest 2010 wurde von dem Magazin Joy eine kleine Liste mit Tipps zum Dirndlkauf ausgegeben.  Dazu sei noch gesagt, dass es nicht zwingend erforderlich ist, sich ein teures Designer-Dirndl zu kaufen. Man ist viele Jahrhunderte ohne Lagerfeld und Co. bei der Trachtenmode ausgekommen, das können Sie auch.

Es ist auch nicht mehr sonderlich schwer, Dirndl günstig zu bekommen und auch überhaupt nicht verpönt, im Gegenteil. Nur wenn man beabsichtigt, dies als Arbeitskleidung zu nutzen oder zumindest wirklich regelmäßig anzuziehen, ist der Kauf eines entsprechenden Modelles um nicht sogar zu sagen einiger Modelle anzurate.

Aber für den einen oder anderen Abend bzw. Oktoberfest-Besuch ist man auch mit den günstigen Modellen gut dran. Letztendlich zählt sowieso nur Eins – Gefallen muss es dem, der es trägt, und im Zweifel vielleicht auch noch den Männern.

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