Skurrile Diättrends – ein Rückblick über 7 Jahrzehnte

Abnehmen mit Ananas, Kohl oder nur Tee, die Diättrends der letzten Jahre waren mitunter schon sehr sonderbar und selten wirklich gesund.

Diättrends
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Ein schlanker Körper gilt in weiten Teilen der Welt schon seit langer Zeit als Schönheitsmerkmal. Dennoch berichten Studien immer wieder über steigende Zahlen von Menschen mit Übergewicht und sogar Adipositas. Diese Diskrepanz zwischen Schönheitsideal und Realität fördert die Erfindung von immer neuen, teils skurrilen, aber nur selten erfolgversprechenden Diäten.

Die meisten dieser Diäten erweisen sich früher oder später als erfolglos – spätestens dann, wenn der berüchtigte Jojo-Effekt auftritt, von dem nur die wenigsten verschont bleiben: Nach einiger Zeit ist, nach anfänglichem Gewichtsverlust, das Ausgangsgewicht wieder erreicht – oder sogar überschritten. Kein Wunder also, dass viele Menschen über Jahre oder Jahrzehnte hinweg immer wieder neue Diäten ausprobieren, immer in der Hoffnung, diesmal die versprochene Lösung der Gewichtsprobleme gefunden zu haben. Hilfreiche Unterstützung beim Abnehmen erhalten sie dabei nur in den seltensten Fällen.

Gefährlich wird es, wenn die Diät ins Extreme geht: Wenn beispielsweise auf bestimmte Kategorien von Nahrungsmitteln (und damit auch Nährstoffen) konsequent verzichtet werden soll, oder wenn die Diät sogar die Ernährung von nur einem einzigen Lebensmittel oder Gericht über Wochen hinweg verlangt.

Diättrends in den 1930er Jahren

Der bis heute andauernde Erfolg der Diätindustrie begann in den 1920er und 1930er Jahren. Es wurde beispielsweise dazu geraten, zu jeder Mahlzeit eine Grapefruit zu essen. Ein fett verbrennendes Enzym in der Frucht sollte zu einem Gewichtsverlust führen. Heute weiß man, dass Grapefruits einen hohen Wasseranteil besitzen und aufgrund dessen bestenfalls als eine Art natürlicher Appetitzügler gelten können.

Ein geradezu hanebüchenes Versprechen gaben die Hersteller einer angeblichen „Schlankmacherseife“ ab – Gewichtsverlust durch Händewaschen? Lange dürfte es nicht gedauert haben, bis die Verbraucher dem Schwindel auf die Schliche gekommen sind.

Diättrends in den 1950er Jahren

Eine bis heute bekannte Diät hat ihren Ursprung in den 1950er Jahren: die Kohlsuppendiät. Über sieben Tage hinweg darf der oder die Abnehmwillige nur Kohlsuppe (und ein paar weitere ausgewählte Lebensmittel) zu sich nehmen. Bei vielen Menschen führte diese Diät allerdings zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Schwindel oder Blähungen.

Diättrends der 1960er Jahre

In den 1960er Jahren kam die Makrobiotische Diät auf. Deren Erfinder Georges Ohsawa propagierte ein Gleichgewicht zwischen „Yin- und Yang“-Lebensmitteln. Dabei ist genau festgelegt, wie viele Kalorien man aus welchen Nahrungsmittelgruppen zu sich nehmen darf. Auch das bekannte Abnehmprogramm „Weight Watchers“ entstand in den 1960er Jahren.

Diättrends der 1970er Jahre

Ein sehr bedenklicher Diättrend wurde vom „King of Rock ’n‘ Roll“ höchstpersönlich bekannt gemacht: Die „Sleeping Beauty Diät“. Mit Hilfe von Beruhigungsmitteln soll man sich dabei so weit sedieren, dass man die meiste Zeit schläft und somit keine Nahrung zu sich nimmt. Die Gesundheitsrisiken liegen jedoch auf der Hand – ganz abgesehen davon, dass ein solcher Lebensstil für die wenigsten Menschen praktikabel ist.

Auch die „Slim-Fast“-Produkte kamen in den 1970er Jahren erstmals auf den Markt. Hier sollen komplette Mahlzeiten durch einen Shake ersetzt werden.

Diättrends in den 1980er Jahren

Ananas Diät
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In den 1980er Jahren erfuhr die sogenannte „Beverly Hills Diät“ große Aufmerksamkeit. Das sechswöchige Programm sieht unter anderem vor, in den ersten zehn Tagen der Diät nur bestimmte Obstsorten zu essen. Mediziner schlugen schon bald Alarm und machten auf die drohenden Gesundheitsschäden aufmerksam – darunter Muskelschwäche und Fieber aufgrund von Mineralstoffmangel und Wasserverlust.

Ebenfalls in den 1980er Jahren kam die „Steinzeitdiät“ auf. Dabei sollen sich die Menschen ausschließlich von Nahrungsmitteln ernähren, die auch in der Steinzeit verfügbar waren (vor allem Obst, Gemüse, Fleisch, Nüsse und Wurzeln). Auch hier warnten Experten vor Nährstoffdefiziten.

Diättrends der 1990er Jahre

Ein weiterer Trend wurde in den 1990er Jahren die „Low-Fat-Diät“. Hierbei sollte auf fetthaltige Produkte weitgehend verzichtet werden. Da durch die Reduktion von Fett allerdings ein wichtiger Geschmacksträger fehlte, versuchten Nahrungsmittelproduzenten diesen Nachteil durch die Hinzugabe von Zucker oder Salz auszugleichen – was wiederum neue Gefahren für die Gesundheit barg.

Diättrends ab 2000

Der erste große Diättrend seit dem Jahr 2000 war die „Atkins-Diät“. Ihr Erfinder, Robert Atkins, propagierte einen weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate. Dafür war fettreiche Nahrung wieder erlaubt. Auch hierbei handelte es sich um eine unausgewogene und daher potenziell gesundheitsschädliche Ernährung.

Es folgten weitere Diättrends wie die Rohkostdiät, die Wattebauschdiät (in Saft getunkte Wattebällchen verzehren – wer kann da schon nein sagen) oder die „Juice Cleanse“.

Aktuell erfreut sich das sogenannte „Teatox“ großer Beliebtheit: Entgiften und Abnehmen durch spezielle Tees wird versprochen, tatsächlich handelt es sich dabei allerdings um natürliche (aber nicht weniger gefährliche) Abführmittel.

Ein erschreckender Trend greift außerdem aktuell in sozialen Netzwerken um sich: die sogenannte „Cinderella Challenge“. Das Ziel dabei ist, den Body Mass Index (BMI) so gering wie möglich zu halten. Leider beteiligen sich vor allem junge Mädchen an diesem Trend – eine Zielgruppe, die noch besonders leicht beeinflussbar und auch anfällig für Essprobleme ist.

Gesund abnehmen – wie kann das gelingen?

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass besonders ein früher Einstieg in Diätverhalten in jungen Jahren eine große Gefahr für die Gesundheit darstellt. Es besteht beispielsweise ein hohes Risiko, in eine Essstörung wie Magersucht oder Bulimie abzurutschen – klinische Störungen mit teilweise lebensbedrohlichen Ausmaßen.

Wie ist es also möglich, langfristig Gewicht zu verlieren und schlank zu bleiben, ohne die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen? Mediziner und Ernährungsexperten sind sich einig: Nur eine langfristig niederkalorische, aber dennoch ausgewogene Ernährung führt zum Normalgewicht und trägt zu einem gesunden Leben bei – idealerweise in Kombination mit ausreichend Bewegung. Die gute Nachricht dabei: Auf das Ausprobieren immer neuer Diättrends oder „Wundermittel“ kann man getrost verzichten.

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